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Arbeitszeitverlängerung bis 21 Uhr ohne Zuschläge

Unlängst wurde ich Zeuge eines Gespräches, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat.

Zwei Paare unterhielten sich im Restaurant am Nebentisch. Üblicherweise vermeide ich es, Gespräche am Nachbartisch mitzuhören. Doch als das Wort „putzen“ zu mir herüberklang, hielt ich doch inne.

„Zum Glück habe ich doch noch eine neue Reinigungskraft bekommen“ seufzte eine der Damen erleichtert. Sie sah die fragenden Gesichter der anderen und fuhr fort. „Dieser Reinigungskraft war folgendes bei ihrem vorigen Arbeitgeber passiert: Die Normalarbeitszeit wurde ja inzwischen von der Interessensvertretung bis 21 Uhr hinaufgesetzt, damit der Kunde sich die Zuschläge für Überstunden erspart. Also arbeitete sie viermal die Woche von 18-21 Uhr. Damit hätte sie noch leben können. Schlimm war für sie allerdings, dass die anderen Objekte den Einsatz der Reinigungskräfte bereits um 6 Uhr morgens fordern. Damit war sie dann doch überfordert. Sie kommt ja erst um 22 Uhr abends nach Hause und hätte bereits um fünf Uhr morgens wieder zu ihren anderen Objekten fahren müssen. Tagsüber versorgt sie ihre Familie. Ihre Chefin hatte ihr erklärt, sie dürfe die Objekte am Morgen sowieso nicht übernehmen, weil Ruhezeiten einzuhalten sind. Mit den 12 Stunden pro Woche kann sie natürlich nicht überleben. Selbst wenn sie am 5. Tag noch ein Objekt bekommen hätte würde das Einkommen auch bei aller Sparsamkeit nicht ausreichen. Vorige Woche blieben ihr rund sechs Euro pro Stunde in der Geldbörse.“

Sind Reinigungskräfte vom Aussatz befallen?

Warum macht sich niemand Gedanken über die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte und wie sie unter solchen Bedingungen Geld verdienen können, fragten sich nun alle vier Personen.

Reinigungskräfte sollen in kürzester Zeit zu den unmöglichsten Tageszeiten ihre Arbeit erledigen, damit andere sich in sauberen Räumen bei ihrer Arbeit wohl fühlen können. Dabei will man sie möglichst nicht sehen.

Eine der Damen dachte laut nach. „Vielleicht liegt die Wurzel dieser Missachtung der Reinigungsarbeit noch viel tiefer. Solange Frauen prinzipiell zu Hause blieben sobald Kinder da waren, sprachen viele Männer und auch Frauen nur von dem bisschen Hausarbeit, das man ja ganz leicht miterledigen könne. In erster Linie war man natürlich für die Kinder da. Das hielt meistens keiner näheren Betrachtung stand. Wer es sich leisten konnte, hat solche Arbeiten von anderen erledigen lassen und alle übrigen hatte eine sehr lange Arbeitszeit, auch am Wochenende. Geschätzt wurde und wird das selten. Bezahlt schon gar nicht.“ Die anderen stimmten ihr nachdenklich zu.

Mit Positionierung zur Tagesarbeitszeit

„Daher übernehme ich zu 80% nur Stiegenhäuser zur Reinigung und Betreuung. Da können meine Mitarbeiter ihre Arbeitszeit während der Tageszeit verrichten“, erklärte die erste Dame.

„Bei uns reinigt eine Firma die Tiefgarage. Ein Mitarbeiter hat berichtet, dass sein Chef nur Tiefgaragen reinigt. Seither stimmt das Einkommen, weil sie als Spezialisten anerkannt werden. Wir haben die Tiefgarage zuerst von der Firma reinigen lassen, die auch viel anderes bei uns putzt. Aber mit der Tiefgarage war er sehr unzufrieden. Daran hat sich auch nach drei Reklamationen nichts geändert. Jetzt läuft es wie am Schnürchen“ pflichtete ihr einer der Herren bei.

Welche Ideen haben Sie zum Thema Tagesarbeitszeit für Reinigungskräfte?

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